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Unbehagen und Verweis auf ICN Ehrenkodex

Ich teile das Unbehagen und beobachte derzeit die gereizte Stimmung in der Bevölkerung. Der Pflexit ist in vollem Gange.

Markus Söder, seines Zeichens Ministerpräsident des Bundeslandes Bayern und Umarmer von Bäumen spielt sich als Oberpfleger auf. Pflegende sind empört über die Vereinnahmung durch die Politik, die ihr unterstellt, im Ermessen der eigenen Weltanschauung ihren Beruf auszuüben. Eine andere Rolle spielen die Nachrichtenportale, die jetzt wieder über die Gesundheitseinrichtungen herfallen, um Statements zur Lage, O-Töne und mutmaßlich Überforderung einzusammeln.

Was ist passiert?

Markus Söder hat auf seinem Instagram Account folgenden Satz formuliert:

Bei Pflegekräften kommt zunehmend ein größeres Unbehagen und Unverständnis auf, warum sie Menschen pflegen sollen, die sich weigern, eigenverantwortlich zu handeln uns ich zum Schutz aller impfen lassen.

Was der Fastkanzlerkandidat der Unionsparteien damit erreichen will, ist allen klar. Die Impfquote ist zu niedrig und ausgerechnet in Bayern steigt derzeit die Inzidenz im Vergleich zum bundesdeutschen Schnitt deutlich. Also macht Markus Söder das, was er am besten kann.

Markus Söder nutzt seine Waffe, der persönlichen Verlautbarung. Gegen Appelle hinsichtlich einer Steigerung der Impfbereitschaft ist erst einmal nichts einzuwenden. Was er hier allerdings tut, ist genau das, was die Nutzerin Halbtagsheldin selbst über Instagram teilt. Eine Vereinnahmung aller Pflegenden.

Das Unbehagen teile ich

Die Pflegenden in den Krankenhäusern stehen vor Ihrem zweiten Corona-Winter und die Pandemie ist noch lang. Der PFLEXIT läuft, es stehen insgesamt weniger Krankenhaus- und Intensivbetten zur Verfügung und als wäre das nicht Grund genug, übernimmt Markus Söder kurzerhand anwaltlich einen Satz, den er vielleicht als Oberpfleger so formulieren würde. Ohne sich dazu allerdings mit der Pflege zu besprechen.

Diese Art der politischen Übergriffigkeit wird zurecht kritisiert und deshalb sei hier noch einmal gesagt: Das ist nicht die Aufmerksamkeit, die sich Pflege wünscht. Ich folge damit der in großen Lettern adressierten Botschaft der Nutzerin Halbtagsheldin, die diese in Richtung München schickt. Dabei verweist sie außerdem auf den ICN Ehrenkodex, der besagt:

Untrennbar von Pflege ist die Achtung der Menschenrechte, einschließlich kultureller Rechte, des Rechts auf Leben und Entscheidungsfreiheit auf Würde und auf respektvolle Behandlung. Pflege wird mit Respekt und ohne Wertung des Alters, der Hautfarbe, des Glaubens, der Kultur, einer Behinderung oder Krankheit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Nationalität, der politischen Einstellung, der ethnischen Zugehörigkeit oder des sozialen Status ausgeübt.

Den ICN Ehrenkodex kann Markus Söder und jeder Interessierte auf der Website https://wege-zur-pflege.de nachschlagen.

Ich teile das Unbehagen und beobachte derzeit die gereizte Stimmung in der Bevölkerung. Der Fall Kimmich hat mich persönlich sehr beschäftigt und deshalb erwarte ich in der nächsten Zeit und für alle die Herausforderungen, die noch auf uns warten, eher eine Verschärfung des Diskurses, auch in sich verändernden Gesundheitsmärkten. Meine Erwartungen verbinde ich allerdings nicht mit einem langfristigen Unbehagen, sondern mit dem Potenzial, das ich erkennen, welch moralischer Fortschritt auf uns warten könnte, wenn ein neues Plateau erreicht haben, auf dem wir uns alle resilient und im New Now treffen werden.

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.

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