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Aufrüstung wäre ein irrer Reflex

Die Gleichung Wandel durch Handel hatte noch nie ein Gleichheitszeichen verdient. Alternativen gesucht.

Mit jeder Stunde treffen weitere Szenarien ein, wie das zwischen Russland, der Ukraine und dem Rest der Welt ausgehen könnte. Natürlich fragen wir uns alle, welche Bedeutung das kurzfristig für Deutschland haben wird.

Verständlich, denn Sorgen um unsere Versorgungssicherheit betrifft nicht nur unsere Politiker. Ängste reichen jetzt schon bis in unsere Wohnstuben und auch bis in jene Ecken unserer Gedanken hinein, die uns selbst als Opfer eines Angriffskriegs sehen wollen. Unweigerlich erinnert man sich an die seit Jahren diskutierte Wehrhaftigkeit unserer Landesverteidigung.

Seit Jahren ist bekannt, dass unsere Bundeswehr in keinem guten Zustand ist. Der Generalinspektor des Heeres meldet sich dazu auf Facebook zu Wort.

Du wachst morgens auf und stellst fest: Es herrscht Krieg in Europa. … Und die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da.

Offenbar handelt es sich dabei um eine Beschreibung, die nicht mehr geheim im Verteidigungsausschuss ausgesprochen werden muss. Ein soziales Netzwerk reicht dafür aus.

Über den Tag gestern wurden die Wortmeldungen lauter, die sich schon einmal verbal mit Aufrüstungsszenarien beschäftigten. Und ich habe mich auch selbst bei dem mulmigen Gefühl ertappt, was wohl wäre, wenn der Angriffskrieg kurzfristig in Richtung Westen aus dem Ruder laufen würde, der NATO-Bündnisfall eintritt und wir mitten drinstecken.

Bündnisse und ihr Beitrag

Mein bescheidenes Verständnis über militärische Zusammenhänge sagt mir, dass wir jetzt nicht in jedem Land die meisten Panzer oder modernere Waffensysteme benötigen. Zumal das keine Auswirkungen hat für die nächsten Wochen und Monate. Eine Spirale, in der jede NATO-Nation für sich bis an die Zähne bewaffnet dastehen möchte, wirkt auf mich immer noch befremdlich.

Als Bündnis wünsche ich mir echte Weitsicht, das hinsichtlich territorialer Zusammenhänge klügere Überlegungen anstellt, als jede einzelne Nation in eine hyperaktive Aufrüstungsspirale hinein zu manövrieren. Ich kann das hier nicht zu Ende denken, sondern äußere das mal als Vorschlag eines bürgerlichen Beobachters.

Keine Geschäfte mehr mit Despoten

Ein weiterer Vorschlag wäre, in die Position des Staatenlenkers gehobene Machtmenschen oder Regierungsbanden beim Anzeichen geringster Repressionen, egal in welche Richtung, zu isolieren. Und zwar bereits so früh, dass sie keine Chance haben, die freie Welt zu erpressen. Künftig sollte das als kooperative Staatsräson möglichst vieler Staaten auf der Erde gelten. Das zähmt womöglich auch die Bevölkerungen dieser Länder, trumpistische Menschen in ihre demokratischen Arenen einzuladen. Oder überhaupt in politische Verantwortung zu heben. Denn natürlich stehen diese Menschen unter dem Verdacht, zulasten der Weltgemeinschaft an einem pathologischen Narzissmus zu leiden.

Die Gleichung Wandel durch Handel hatte noch nie ein Gleichheitszeichen verdient.

Wir haben die Panzer, die Putin jetzt benutzt, bezahlt. Mit Überweisungen für Ressourcen, die wir in Russland eingekauft haben. Mit Steuergeldern, die Unternehmen verdient haben, die aus Russland heraus Geschäftsbeziehungen zu Deutschland unterhalten. Wir dürfen das nicht mehr über Jahrzehnte mit der Hoffnung aushalten, es wird schon werden. Dazu müssten Sicherheitsmechanismen eingezogen werden, die es jedem hiesigen Unternehmen weniger attraktiv erscheinen lassen, mit einem Land Geschäfte zu machen, wenn es Gefahr läuft, Despoten pseudodemokratisch zu legitimieren.

Ich denke an eine jetzt beginnende Wiederentdeckung monetär unabhängiger Werte, die als moralische Tatsachen globaler Standard sein müssten. Das klingt wie eine Utopie. Nein. In Anbetracht dieses nach 9/11 neuerlich zwanzig Jahre währenden Weltveränderungsprozesses klingt das machbar.

Wer es schafft, Freihandelszonen einzurichten, in denen die geometrische Beschaffenheit von Gurken zum Gegenstand der Verhandlungen wird, könnte so etwas wie agile Schotten einzuziehen, an denen sich ein Markt orientieren würde. Die Orientierung liegt darin, abwägen zu können, ob sich Investitionen und die Geschäftsbeziehungen zu Ländern lohnen, die ihr politisches System schleifen lassen. Es gibt diese Staaten heute schon und sie sind auch gefährlich. Doch die Weltgemeinschaft darf sich mit dem Tag gestern etwas einfallen lassen. Also bitte.

Ich erlaube mir das so skizzenhaft darzulegen, weil gerade Gegenteil von dem passiert, was wir uns an einem 24. Februar im Jahr 2022 gewünscht hätten. In welche Realität wir uns durch das Vierteljahresbilanzdenken hineinmanövriert haben, liegt jetzt auf dem Tisch. Welche Wirklichkeit uns gerade erreicht, erkennen wir an der taktischen Verzögerung und den Beharrungskräften gegenüber einem jahrzehntelang versäumten Energiewende.

Das betrifft im Prinzip auch den Umgang mit China, wobei ich glaube, dass es dafür zu spät sein kann. Auch da wieder herauszukommen, wird noch einmal schmerzhaft. Über Jahrzehnte wurden komplexeste Strukturen mit China aufgebaut.

Es besteht tatsächlich ein gewisses Potenzial, aus einem Weltkonflikt in den nächsten zu rutschen. Es geht längst nicht mehr um Panzer, Geschütze und Raketenwerfer. Die produzieren höchstens Bilder, die uns emotionalisieren, wenn wir ihre Leuchtspuren aus der Nacht sehen und am nächsten Morgen an die Menschen denken, die sie ertragen mussten, womöglich gestorben sein könnten.

Wir verhindern nichts, wenn wir über demokratisch einkaufte Waffensysteme verfügen, die irgendwann danach schreien, zum Einsatz zukommen. Rechtsstaatlich legitimiert. Mir wäre eine Investition in den gesunden Menschenverstand und ein nach moralischen Tatsachen ausgerichteten neuen Realismus nach globalem Standard lieber.

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.

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